Einsatz Sandsackfüllanlage

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Freitag, 09. Juli 2021

Anhaltende Regenfälle hatten seit Donnerstagabend dafür gesorgt, dass im Landkreis Roth mehrere Gewässer über die Ufer traten. Betroffen waren vor allem die Bereiche um Thalmässing im Süden und Rohr im Norden. Das Hilpoltsteiner Gemeindegebiet war vorerst nur gering betroffen. Die ersten eigenen Einsatzstellen am Freitagmorgen mit einem umgestürzten Baum und einem unter Wasser stehenden Keller waren schnell abgearbeitet. Dafür spitzte sich aber die Hochwasserlage im Bereich Thalmässing - Steindl zu. 

 

Zur Unterstützung der hochwassergeschädigten Gemeinden kam erstmals die in Hilpoltstein stationierte Sandsackfüllanlage des Landkreises zum Einsatz. Am Bauhof der Stadt Hilpoltstein füllten die Feuerwehren Hilpoltstein, Mörlach, Hofstetten, Solar und Marquardsholz ab Freitagvormittag Sandsäcke, die dann in die betroffenen Gebiete gefahren wurden.  

Dank der schnellen und fachkundigen Unterstützung von Thomas Pawlicki von der Pleinfelder Quarzsand GmbH & Co. KG konnte man innerhalb kurzer Zeit auf ca. 140 Tonnen trockenen Sand zugreifen, der von LKWs und Sattelzügen der Firma unverzüglich zugeliefert und bereitgestellt wurden. 

 

Besonders bewährt hatten sich für den Umschlag der Sandsäcke der Teleskoplader und das Wechselladerkonzept der Feuerwehr Hilpoltstein. Mit der Transportmulde des Wechselladerfahrzeugs konnten deutlich mehr Sandsäcke transportiert werden als mit den sonst üblichen Logistikfahrzeugen der Feuerwehren. Der Teleskoplader sorgte für ein schnelles Verladen der fertigen Sandsackpaletten und für die Materialbereitstellung, da der Bauhoflader für das Befüllen der Sandsackfüllanlage gebunden war. 

 

Am Nachmittag erreichte die Hochwasserwelle dann auch das Hilpoltsteiner Gemeindegebiet. Besonders betroffen war hierbei der Ortsteil Zell, wo sich das schnell ansteigende Wasser des Höllachgrabens an der Brücke in Ortsmitte staute. Der Durchlass konnte die Wassermengen nicht mehr aufnehmen und so staute sich das Wasser schnell vor dem unmittelbar angrenzenden ehemaligen Klostergebäude, in dem die Einrichtungen der Regens-Wagner-Stiftung Zell untergebracht sind. 

 

In kurzer Zeit stieg  das Wasser auf über einen halben Meter vor den Türen des Kindergartens und der Förderstätte. Die Feuerwehren Zell und Unterrödel sicherten zwar die Türen unverzüglich mit Sandsäcken, sie konnten aber nicht verhindern, dass doch Wasser ins Gebäude gelangte. Kurzfristig kamen auch mehrere Mitarbeiter der Regens-Wagner-Stiftung zu Hilfe, die sich zusammen mit den Feuerwehren und Kräften des THW Hilpoltstein bemühten, den Wasserschaden im Gebäude so gering wie möglich zu halten. Durch den massiven Einsatz mehrerer Tauchpumpen und Wassersauger wurde das durch Türen und auch Wände eindringende Wasser wieder nach draußen befördert. Da auch Technikbereiche betroffen waren wurden zum Abpumpen von mit Betriebsstoffen verunreinigtem Wasser auch noch Kräfte von der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen des THW Roth hinzugezogen. 

 

Da die örtliche Feuerwehr in Zell im Klostergebäude gebunden waren wurden weitere Einsatzstellen mit Wasserschäden in Zell durch freie Kräfte der Feuerwehr Hilpoltstein abgearbeitet. 

Im Lauf des Nachmittags wurden auch die Mannschaften für den Betrieb der Sandsackfüllanlage ausgetauscht. Dazu wurden die Feuerwehren Patersholz, Hagenbuch und Karm alarmiert. Wichtig war insbesondere die Ablösung der Feuerwehr Hofstetten, da sich die Hochwasserwelle vom Höllachgraben aus Zell am frühen Abend dann weiter über die kleine Roth durch Ober- /Unterrödel in Richtung Hofstetten bewegte. Dort wurden vorbereitend Gebäude mit Sandsäcken gegen das Eindringen von Wasser gesichert. Glücklicherweise konnte sich aber die Hochwasserwelle auf den Wiesen westlich von Hofstetten in der Fläche ausbreiten, sodass ein Anstieg der Roth mit Beeinträchtigung von Gebäuden in Hofstetten ausblieb.  

 

Während kurz vor Einbruch der Dunkelheit der Betrieb an der Sandsackfüllstation aufgrund der mittlerweile entspannten Lage im Gemeindebereich Hilpoltstein eingestellt werden konnte, waren noch bis in den späten Abend Kräfte der Feuerwehr und des THW mit der Beseitigung der Wasserschäden in den Gebäuden der Regens-Wagner-Stiftung Zell beschäftigt. 

 

Am folgenden Samstag entspannte sich die Lage im Gemeindegebiet Hilpoltstein weiter, lediglich die Straße von der Paulusmühle zur Kläranlage war noch überflutet. Dafür bestand aber noch Bedarf an Sandsäcken in anderen Gemeinden. Die Unterlieger der Fränkischen Rezat in Spalt erreichte die Hochwasserwelle aus dem Bereich Ansbach vom Vortag. Deshalb wurden in der Nacht von Samstag zu Sonntag weitere der am Bauhof Hilpoltstein bevorrateten Sandsäcke abgeholt und nach Spalt transportiert. 

 

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass sich wieder einmal der gemeinsame und gut abgestimmte Einsatz der Hilpoltsteiner Feuerwehren und des THW bei derartigen dynamischen Großschadenslagen bewährt hat. Auch der erste "scharfe" Einsatz der Sandsackfüllanlage verlief weitgehend reibungslos. Nun müssen im Nachgang die Verbrauchsmaterialien durch den Landkreis wieder auf Vorrat gestellt werden, um für die nächste Unwetterlage vorbereitet zu sein. 

 

Weiterhin muss auch erwähnt werden, dass viele vom Hochwasser betroffene Personen auch schon eigene Vorbereitungen getroffen hatten und auch Nachbarschaftshilfe bekommen hatten. Das in den Medien in letzter Zeit dargestellte Bild, dass vom Unwetter betroffene Bewohner am Frühstückstisch sitzen und erwarten, dass die Feuerwehr den nassen Keller trocknet und besenrein hinterlässt, war zumindest im Hilpoltsteiner Gemeindebereich nicht erkennbar. Ebenso hat die gute Zusammenarbeit von Hilfskräften und eigenem Personal in der Regens-Wagner-Stiftung Zell dafür gesorgt, dass die Auswirkungen und Schäden des Hochwassers nicht noch stärker waren. 

Einsatz Details

Beginn
Fr., 09. Juli, 10:30 Uhr
Ende
Fr., 09. Juli, 21:10 Uhr
Art
Technische Hilfeleistung
Status
Normal
Feuerwehrleute
25

Weitere beteiligte Einheiten

FF Hagenbuch, FF Heuberg, FF Karm, FF Mörlach, FF Patersholz, FF Marquardsholz, FF Hofstetten, FF Solar/Grauwinkel, Roth Land 3/9

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Einsatzkarte

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